Die USDT-Kurse in Venezuela sind stark gefallen, weil die Nachfrage nach dem Stablecoin gesunken ist. Dadurch ist auch der Unterschied zum offiziellen Wechselkurs der Zentralbank kleiner geworden. Dieser Schritt zeigt, dass viele Menschen wegen der letzten US-Eingriffe mehr ausländische Währung erwarten.
Viele Fachleute sagen jedoch, dass diese Änderung nur vorübergehend ist. Die Lebenshaltungskosten sind nicht gesunken. Außerdem gibt es noch keine langfristigen Auslandsinvestitionen oder stabile Einnahmen aus dem Ausland.
Dollar-Nachfrage sinkt nach neuen Politik-Signalen
Der Kurs von USDT in Venezuela ist in den letzten zehn Tagen um mehr als 40 Prozent gefallen, was die Menschen vor Ort überrascht hat. Der Unterschied beim Wechselkurs beträgt jetzt fast 31 Prozent.
Das Land hat seit Jahresbeginn große politische Unsicherheit erlebt. Bereits am dritten Januar-Tag sorgte die Festnahme des venezolanischen Machthabers Nicolás Maduro durch die USA für Unsicherheit an den Märkten. Viele wussten nicht, wie es mit der Regierung weitergeht.
Die Menschen in Venezuela haben sich seitdem an neue Bedingungen gewöhnt. Inzwischen leitet die ehemalige Vizepräsidentin Delcy Rodríguez die Regierung. Sie hat mehrere neue Ölabkommen mit den USA abgeschlossen.
Durch die Aussicht auf mehr ausländische Währungen und internationale Investitionen ist die Nachfrage nach USD, gemessen an USDT, gesunken.
Auf den ersten Blick zeigen die Daten, dass die Menschen mehr ausländische Währung erwarten. Das soll ein kleines Zeichen für bessere wirtschaftliche Verhältnisse sein.
Es gibt aber noch andere Gründe, die diese Entwicklung teilweise erklären.
Marktkorrektur verdeckt anhaltende wirtschaftliche Belastung
Die andauernde Unsicherheit beim Bolívar, zusammen mit Kapitalverkehrskontrollen und wenig Zugang zu stabilen ausländischen Währungen, hat dafür gesorgt, dass Krypto in Venezuela sehr beliebt ist. Krypto wird oft für Gehaltszahlungen und für alltägliche Einkäufe genutzt.
Deswegen sind Stablecoins, und vor allem USDT, in Venezuela die wichtigste Quelle für USD-Nachfrage.
In den letzten zwei Tagen ist USDT auf P2P-Plattformen zum ersten Mal seit Dezember unter 500 Bolívar gefallen. Die Daten zeigen, dass Käufer nicht mehr so stark um USD kämpfen. Verkäufer akzeptieren zudem häufiger niedrigere Kurse.
Weil P2P-Märkte in Venezuela die echte Nachfrage von Familien und Unternehmen zeigen, bedeutet dieser Rückgang weniger Knappheit bei USD und eine kleine Entspannung bei Angstpreisen.
Das bedeutet aber nicht, dass Menschen mehr kaufen können oder die Inflation sinkt. Obwohl der Wechselkurs-Unterschied deutlich kleiner geworden ist, steigen zum Beispiel weiter die Preise für Lebensmittel und Dienstleistungen. Viele spüren so eine starke wirtschaftliche Unsicherheit.
Jetzt ist die große Frage, ob die niedrigere Nachfrage eine dauerhafte Veränderung ist oder nur eine kurze Pause bringt.
Ohne stetige Gelder von außen oder Einnahmen aus Exporten könnte das Gleichgewicht schnell wieder kippen. Eine langfristige Stabilisierung gibt es nur mit echten Strukturreformen und einer regelmäßigen Versorgung mit ausländischem Kapital.
